Montag, 7. November 2011

Shoppingclubs (Teil 3) / Vente Privee

So gern ich ansonsten auch immer Excitingcommerce lese und schätze, so sehr muss ich dem neuesten Beitrag widersprechen.

Einige der Thesen bzw. Aussagen in dem Artikel möchte ich gerne widerlegen:

- Vente Privee arbeitet in Frankreich unter ganz anderen Rahmenbedingungen als die Shoppingclubs in Deutschland. Wenn ich gerade einmal die Hälfte der Retouren habe (oder noch weniger), dann habe ich per se erstmal leicht reden.

- Ich garantiere: Vente Privee verdient in Deutschland kein Geld! Das Gerede (bitte mit franzöischem Akzent vorstellen) "We cannot buy ze träffic. It is impossiböl to buy ze träffic. Oui are about somezing else. Oui are about doing somezing speciäl" ist schlicht und ergreifend nicht richtig. Vente Privee betreibt genau wie jeder andere Shoppingclub in Deutschland SEM. Dass Sie dabei nicht besonders clever sind und auf Ihren Landingpages drei verschiedene Opt-Ins haben wollen, bevor man den "Call-to-Action"-Button mit Text "sich anmelden" klicken soll, zeigt vielmehr, dass sie "Performance Marketing" noch nicht so ganz verstanden haben.

Vente Privee Anmeldung

- Dass es cleverer ist, einen für den deutschen Mart - wie ich finde relativ unpassenden - (und schnell verpuffenden) TV-Spot zu schalten und für horrendes Geld Lead-Kampagnen z.B. mit Deutschlandcard zu fahren [man rechne mit Leadpreisen von €5 aufwärts für incentivierte Leads.. viel Spaß!] bzw. mit Affiliate-Leadkampagnen die Datenbank aufzufüllen - ich bezweifle es. ["Naturalment, zey are also buying ze träffic!"]

Fazit: Gut für VP, dass sie in Frankreich Geld verdienen. In DE haben sie es deutlich schwerer und verdienen hier kein Geld. No chance. Es ist leicht, belehrend zu sein, wenn man keinen (VC-getriebenen) Druck verspürt. Nur leider bringt das auch eine gewisse Bequemlichkeit mit sich.

An die Adresse von Jochen Krisch möchte ich sagen, dass ich nicht glaube, dass ein Outlet von Haus aus schäbig und ein Shoppingclub exklusiv ist. Allein die vermeintliche Exklusivität: die meisten Marken geben sich bei den Shoppingclubs mittlerweile die Klinke in die Hand. Besonders exklusiv ist das nicht (mehr). Und ein Outlet macht wirtschaftlich eine Menge Sinn, wenn man Retouren & Restbestände nicht B2B verramschen will (hier wird oftmals pro kg Ware bezahlt.. absolute Restbestände so abzuschleusen ist alles andere als solides Business). Ich z.B. halte ein dress-for-less keineswegs für schäbig.

Dienstag, 1. November 2011

Shoppingclubs Teil 2

Oh Mann, der Sommer, das gute Wetter und der viele Stress in der Arbeit (natürlich).. so kommt das eine zum anderen, und Schwupps ist ein Monat rum. Noch mehr Arbeit, noch mehr Stress.. und schon ist noch ein Monat rum.

Egal! Zeit für Teil 2 meiner kleinen Shopping-Clubs Serie, die ich heute meinem Brötchengeber Limango widmen möchte. Wer es noch nicht mitbekommen hat: bei limango tut sich gerade eine Menge. So zum einen der Relaunch der Seite vor wenigen Monaten, bei dem nun lediglich durch die drei Header getrennt der Private-Shopping-Club, das (offene und für alle ohne Registrierung zugängliche) Outlet sowie das neue Limango Deals (eine Gutscheinplattform a la Familien-Groupon) eingebunden sind.

Wenn man sich das "neue" Limango ansieht und mit dem Shoppingclub vergleicht, der es noch vor 12 oder 18 Monaten war, stellt fest, dass sich vieles verändert hat.

Was und warum? Dazu möchte ich gerne einige Einblicke geben:

- das Outlet hat sich mittlerweile als idealer Absatzkanal für zweierlei Arten von Waren entwickelt. Zum einen von Retouren & Restbeständen, die nicht im Rahmen der Verkaufsaktion abgesetzt werden können. Zum zweiten wird auch in Kernsortimenten und profitablen Randsortimenten explizit zugekauft. Vorteil des "offenen" Shops: hier lässt sich der Traffic auch über SEO "ziehen", und somit mittelfristig ein profitables Geschäft abseits von teuren AdWords & Facebook Klickpreisen und Affiliate etablieren. (brands4friends löst das ganze seit neuestem durch den direkten Verkauf auf eBay).

Abbildung: Sistrix-Sichtbarkeit des Limango Outlet im Zeitverlauf
sistrix sichtbarkeit limango outlet

limango outlet crossverlinkungWer sich im Outlet umsieht stellt fest, dass die "Cross-Verlinkung" des normalen Private Shopping mittlerweile recht prominent ist. Hintergrund: teurer, über AdWords oder an anderer Stelle gekaufter Traffic soll maximal ausgeschöpft werden. Auch das "Cross-Selling" von Outlet-Produkten an Private-Shopping Kunden (und umgekehrt) wird mit großen Schritten weiter vorangetrieben; hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Aktionen wie der Preisalarm (minütlich sinkende Preise zum Abverkauf von Einzel- & absoluten Restposten) oder die große, breit online angelegte Lagerverkaufsaktion waren einige der Highlights der vergangenen Monate.

- Das Limango Deals Team ist fleissig am Sourcing, um über Online- (und Offline-) Deals den limango-Mitgliedern Deals anzubieten, die einen klaren Mehrwert für die mittlerweile rund 3 Mio. Mitglieder bieten. Das charmante daran: limango grenzt sich durch seine Mitgliederstruktur (>90% Frauen) von Groupon & Co ab und hat eine Mitgliederbasis, die für Dealpartner spannend ist. Die Kosten für den Betrieb von Deals sind gut überschaubar und die Kostentreiber des klassischen Versandhandels (Lagerkosten, Retouren, Shipping etc.) sind schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Gute Margen & kein Stress. Bitte mehr davon.

Screenshot: Beispiel-Deal von limango Deals
limago Deals

Auch andere Shoppingclubs hatten das Thema Deals immer mal wieder im Sortiment - allerdings im Rahmen regulärer Verkaufsaktionen und nicht als festen Bestandteil der Seite. Auch wurde hier mehr das Branding von (seinerzeit) Citydeal und Dailydeal gestärkt, da die Deals nicht "selbst-gebrandet" waren.

Wie immer, sind auch hier zwei Faktoren entscheidend dafür, ob "Deals" dauerhaft in der Shoppingcommunity funktionieren wird:

a) Relevanz, Relevanz, Relevanz! Wenn ich meine guten limango Kundinnen mit "durchschnittlichen Schwachsinnsdeals" (Restaurantbesuch # 342, Friseurbesuch #173 etc.) bespassen würde, würde sich das Thema schnell abnutzen. Stattdessen muss das Thema "smart" gespielt werden, und eine Relevanz sowie ein guter Dealmix für Frauen/Familien muss gegeben sein.

b) Skalierbarkeit der Deals -> ist aus meiner Sicht vorhanden. Mit einem "mehr" an Deals steigen die Kosten nur marginal.

So viel für den Moment. Es bleibt spannend.